Grundsätzliches zur Druckindustrie

Die deutsche Druck- und Medienwirtschaft wird in der amtlichen Statistik als ein Wirtschafts­zweig des Produzierenden Gewerbes verstanden und mit der spezifischen, dreistelligen Nummer 18.1 des sog. Wirtschafts­klassifikations­verzeichnisses versehen. Diese Nummer stellt eine Gruppe oder ein Aggregat von vier unter­geordneten Sparten, sog. Klassen, dar: 

  • Drucken von Zeitungen (18.11)
  • Drucken anderweitig nicht genannter Erzeugnisse (18.12)
  • Druck- und Medienvorstufe (18.13)
  • Binden von Druckerzeugnissen und damit verbundene Dienstleistungen (18.14).

Das Druckgewerbe ist klein- und mittel­ständisch geprägt. Der Anteil der Betriebe mit unter 20 sozial­versicherungs­pflichtig Beschäftigten beträgt knapp 83 %. Diese Druckereien beschäftigen ca. 24 % des gesamten Personals der Druck­industrie. Es sind Druckereien mit mehr als 20 und unter 500 Beschäftigten, die die meisten Menschen beschäftigen. Der Beschäftigten­anteil dort beträgt beinahe 69 %.

Die Produkte der Druck­industrie sind überall. Kein Wirtschafts­zweig, keine Branche kommt ohne sie aus. Der Großteil der Aufträge resultiert aus der gewerb­lichen Wirtschaft. Sie braucht Verpackungen, Gebrauchs­anweisungen, Formulare, Berichte, Plakate, Flyer oder Etiketten. Und sie ordert bedruckte Tapeten, Fußböden, Folien, Displays, Keramik, Chips, Batterien, Tastaturen oder auch Mäuse und bedient damit wiederum ihre eigenen Märkte. Das macht zusammen über 85 Prozent ihres Auftrags­volumens aus. Rund 20 Prozent geht dabei auf Zeitungen, Zeitschriften und Bücher zurück.

Aber auch im Privaten steht Druck hoch im Kurs. Hier werden knapp 9 Prozent des gesamten Volumens beauftragt. Für die Ein­ladungs­karte zur Hochzeit, über Abibücher bis zum Fotobuch geben die Deutschen knapp 2 Milliarden Euro für Print aus (ohne Zeitungen, Zeit­schriften und Bücher!).

Von dieser Omnipräsenz bedruckter Materialien und Produkte in unserem Alltag leben freilich nicht nur die Drucker (und ihre Kunden), sondern auch die Zulieferer der Druck- und Medien­industrie. Die größten sind die Papier­hersteller, die Druck­farben­lieferanten sowie die Händler und Produzenten von Kleb­stoffen. Aber auch Energie­dienst­leister, Maschinen­hersteller, Unternehmens­berater, Wach­dienste oder Grund­stücks­vermieter profitieren von einer gesunden Druck­industrie.

Produktstruktur der deutschen Druckindustrie 2017

Produktstruktur der deutschen Druckindustrie 2017
Berichtskreis: Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten; Quelle: Statistisches Bundesamt, Datenstand: Juni 2018; Berechnungen: bvdm

Nettowerbeeinnahmen in 2017

Nettowerbeeinnahmen in 2017
Quelle: Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) , Datenstand: Juni 2018; Berechnungen: bvdm
Nettowerbeeinnahmen in 2017
Quelle: Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW), Datenstand: Juni 2018; Berechnungen: bvdm

Umsatz der Druckindustrie

Umsatz der Druckindustrie
Anmerkungen: * Schätzung des bvdm; bis 2009 Umsatzangabe nach WZ 2003-22.2, danach WZ 2008-18.1 Berichtskreis: Unternehmen mit mehr als 17.500 EUR Jahresumsatz; Quelle: Umsatzsteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes, Datenstand: Juni 2018;

Produktionsindizes

Produktionsindizes
Bemerkung: Indizes sind kalender- und saisonbereinigt Berichtskreis: Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten; Quelle: Statistisches Bundesamt, Datenstand: Juni 2018; Berechnungen: bvdm

Produktionswerte

Produktionswerte
Bemerkungen: Vorläufige Werte, Rundungsdifferenzen möglich; Berichtskreis: Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten; Quelle: Statistisches Bundesamt, Datenstand: Juni 2018; Berechnungen: bvdm

Fazit

Wir sehen zwar das die Umsatzzahlen der Druckindustrie in den letzten 8 Jahren grundlegend bei etwas mehr wie 20 Milliarden Euro konstant geblieben ist. Wobei ein Großteil des Umsatzes mit 40,6 % im Bereich der Werbedrucke und Kataloge fällt.

Die Druckindustrie ist Vorbild

Die Druckindustrie war ähnlich wie die Musik­industrie und die Verlags­wirtschaft eine der Branchen, die früh von der Digitali­sierung erfasst wurden. Und sie hat sich dieser Heraus­forderung – von der längst kein Wirtschafts­zweig mehr verschont wird – erfolgreich gestellt. Die Prognose, wonach Druck­erzeugnisse durch die Digitali­sierung komplett verdrängt würden, hat sich als grundfalsch heraus­gestellt.

„Der Wandel der Druckbranche war schmerzvoll, ist aber auch Vorbild.“

Handelsblatt vom 01. Juni 2016

Zwar sinken die Auflagen der vieler gedruckten Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, aber eine Vielzahl neuer Magazine zeugt davon, dass Print sich mit seinen Qualitäten – Glaub­würdigkeit, Ruhe und Beständig­keit – behaupten kann. Daher bleiben Print­erzeugnisse mit einem Anteil von rund 56 % an den deutschland­weiten Netto­werbe­einnahmen nach wie vor die bedeutendsten Werbe­medien­träger. Und dies trotz wachsender Budgets für Online­werbung.

Zahllos sind überdies die Beispiele für eine erfolgreiche Koexistenz und wechselseitige Befruchtung von Print und Online. Online­händler entdecken die unvergleichliche Qualität von Katalogen. Zugleich dürfte der wachsende Online­handel infolge bedeutende Produktions­anreize für den Verpackungs­druck ausgelöst haben. Zudem ermöglichen digitale Druck­verfahren personalisierte und individualisierte Produkte verschiedenster Art. Online­druckereienpositionieren sich mit großem Erfolg im Netz und sind seit Jahren Vorreiter hinsichtlich einer weitgehend vernetzten Produktion im Sinne der sog. „Industrie 4.0“. Dazu verwandeln sich immer mehr Druck­betriebe – ob Offset , Siebdruck, Flexo- oder Tiefdruck – in komplexe Dienst­leistungs­unternehmen, die die Kommunikation ihrer Kunden mit pass­genauen Lösungen unterstützen.

Natürlich bleibt der fortschreitende Struktur­wandel nicht ohne Folgen. Die Zahl der Druck­unter­nehmen sinkt, die Zahl der Beschäftigten ebenso. Das angespannte Markt­umfeld setzt die Branche einem enormen Wettbewerbs­druck aus, der sich u. a. in Form sinkender Erzeuger­preise für Druckerei­leistungen sowie einer gegenüber dem Verarbeitenden Gewerbe größeren Anzahl von Insolvenz­fällen zeigt. Zugleich bewegt sich der Branchen­umsatz seit 2009 zwischen 20 und 21 Milliarden Euro, bei einer tendenziell steigenden Umsatz­produktivität.

Beschäftigte

Betriebe und Beschäftigte in der Druckindustrie

Betriebe und Beschäftigte in der Druckindustrie
Berichtskreis: Betriebe ab einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten; Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Datenstand: Juni 2018; Berechnungen: bvdm
Berichtskreis: Betriebe ab einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten; Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Datenstand: Juni 2018
Berichtskreis: Betriebe ab einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten; Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Datenstand: Juni 2018

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