Die Unterschiede zwischen Factoring und Inkasso

Factoring ist nicht zu verwechseln mit Inkasso. Dass jedoch gravierende Unterschiede zwischen beiden Instrumenten bestehen, ist nicht jedem Unternehmer klar. Factoring ist eine Form der Umsatzfinanzierung, die auf dem laufenden Verkauf von Forderungen basiert. Dagegen zielt das Inkasso auf das Einholen überfälliger Forderungen. Natürlich können sowohl Factoring als auch Inkasso im Unternehmen zu einer deutlich besseren Liquidität führen.

 

Inkasso gegen Außenstände

Ein Inkassounternehmen wird dann beauftragt, wenn bereits begründete und abgerechnete Forderungen beizutreiben sind. Inkassounternehmen können dabei helfen, offene Forderungen beizubringen und das Risiko von Zahlungsausfällen zu reduzieren. Das Inkassounternehmen handelt im Namen des Mandanten und verfügt über entsprechende Vollmacht. Der Gläubiger der Forderungen bleibt beim Inkasso das Unternehmen. Die Kosten, also Verzugsschäden wie Gerichtskosten, Auslagen und Zinsen gelten als Verzugsschaden, für die der Schuldner aufkommen muss. Im Branchendurchschnitt lassen sich die überwiegenden Abgaben an Inkassounternehmen ausgerichtliche erledigen. Ein gerichtliches Mahn- und Vollstreckungsverfahren ist deutlich riskanter, kostenintensiver und vor allen Dingen kann es sehr lange dauern, bis man zum Erfolg kommt.


Das Inkasso bringt folgende Vorteile:

1. Entlastung des Personals
Die Mitarbeiter werden nicht mit der Ermittlung von Anschriften, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen oder weiteren Recherchen beschäftigt und können sich um die eigentliche Arbeit kümmern.
2. Kostenrisiko minimieren
Schuldner werden von vor Auftragsübernahme auf Zahlungsfähigkeit geprüft. 
3. Vermittlung
Geschäftsbeziehungen zur Kunden bleiben gewahrt, da das Inkassounternehmen als Vermittler auftritt und auf angemessene Art und Weise den Schuldner zum Zahlen bewegt. 
4. Verjährungskontrolle
Forderungen werden gerichtlich geltend gemacht (Beantragung von Mahn- und Vollstreckungsbescheid), d. h. Ausdehung der Forderungsverjährung auf 30 Jahre.
5. Forderungsüberwachung
Überwachung titulierten Forderungen bis zur Realisierung oder zum Verjährungsablauf. 


Es ist einfach eindrucksvoller, wenn ein Inkassobüro die Zahlung anfordert, als wenn man selbst sich zum x-ten Male hinsetzt und ein Schreiben aufsetzt.

 

Factoring als geschäftsbegleitende Finanzierung

Beim Factoring verkauft ein Forderungsverkäufer seine Forderungen gegenüber seinen Kunden an eine sogenannte Factoringgesellschaft oder Factor. Die Factoringgesellschaft zahlt die Forderung an Unternehmen, welches wiederum die Forderung der jeweiligen Kunden an die Factoringgesellschaft abtritt. Auf diese Weise kann er den Zahlungseingang sofort realisieren, obwohl die Forderung eigentlich erst später fällig wäre. Factoring kann so zum Beispiel an Stelle eines herkömmlichen Kredits als eine Möglichkeit der Finanzierung genutzt werden. Beim Factoringvertrag ist häufig ein Verkauf von Inlands- und Auslandsforderungen vorgesehen.

 

Wie funktioniert Factoring?

Der Factoringnehmer verkauft seine Forderung/en, an eine Factoringgesellschaft. Zu unterscheiden ist hier jedoch zwischen dem echten und dem unechten Factoring. Das echte Factoring beinhaltet einen 100%igen Ausfallschutz. Beim unechten Factoring hat er jedoch die rechtliche Möglichkeit, die Rückabwicklung des Forderungsankaufs zu verlangen, wenn es Probleme mit dem Schuldner gibt. 

Der Verkäufer der Forderung schließt mit dem Factor einen Factoringvertrag ab. Dieser läuft in der Regel über mindestens zwei Jahre. Der Factoringvertrag kann entweder alle oder auch nur bestimmte Forderungen umfassen. Die Laufzeit der verkauften Forderungen sollte 120 Tage bei Inlandsforderungen bzw. 180 Tage bei Auslandsforderungen nicht überschreiten. Bonität und Seriosität des Forderungsverkäufers müssen gewährleistet sein.

Natürlich übernimmt der Factor nicht umsonst die Kosten für einen evtl. Zahlungsausfall, weil der Schuldner nicht zahlen kann. Immer noch gehen häufig Imageprobleme mit Factoring einher. Oft entstehen Gerüchte, ein Unternehmen habe seine Forderungen verkauft, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Auch die Wahl des Dienstleisters ist entscheidend für den Erfolg, denn das Unternehmen gibt an ihn einen Teil der Kundenkommunikation ab. Wenn der Dienstleister unprofessionell arbeitet oder unhöflich auftritt, fällt das auch auf den Auftraggeber zurück.
Factoring ist Branchen abhängig und kann nicht von jedem genutzt werden. Ferner gibt man beim Factoring einen Teil seines wertvollen Kundendialogs aus der Hand. In Zeiten, wo Kundenbindung immer wichtiger wird. Ein Argument, dass dem Factoringnehmer bewusst sein sollte.

 

Fazit

Ob nun zur Liquiditätsüberbrückung oder zur Vermeidung von Inkasso-Problemen – Factoring kann als eine interessante Möglichkeit darstellen. Der Verkauf von Forderungen erhöht die Sicherheit, da Factoring-Unternehmen das Zahlungsausfallrisiko übernehmen und sich zudem auch um das Forderungsmanagement kümmern. Trotzdem sollten Unternehmen auch immer die Kosten im Blick haben. Diese unterscheiden sich nämlich von Anbieter zu Anbieter recht deutlich. Darüber hinaus legen einige Factoring-Firmen gewisse Mindestumsätze fest oder spezialisieren sich auf bestimmte Arten von Unternehmen.

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