AOK-Report bestätigt: Es krankt in deutschen Betrieben

Eigentlich waren die Ergebnisse nicht überraschend, die der neue Fehlzeiten-Report 2018 der AOK vor wenigen Tagen präsentierte. Dass sich 98,4 Prozent der Befragten am Arbeitsplatz wohlfühlen wollen, war zu erwarten. Ähnlich hoch sind die Werte bei der Frage nach dem Betriebsklima und der Loyalität des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern. Schaut man sich aber die Realität an, ergibt sich ein eher düsteres Bild, denn Wunsch und Wirklichkeit klaffen wie so oft weit auseinander. Der Diplom-Psychologe Norbert Heining, Autor und erfahrener Personalfachmann aus München, bringt es auf den Punkt: „Wir müssen uns nur die Fehlzeiten anschauen. Im Jahr 2017 waren die Arbeitnehmer im Schnitt an 12,1 Tagen krankgeschrieben. In Betrieben, in denen wir eine hohe Zufriedenheit der Belegschaft erkennen, waren es nur 9,4 Tage.“ Die Differenz mag gering erscheinen. Heining, dessen Kernkompetenz die Positive Psychologie ist, warnt aber: „Nehmen Sie die Lohnsumme dieser 2,7 Tage und setzen Sie diese ins Verhältnis zu den Aufwendungen für eine sinnhaftere Unternehmenskultur. Dann wird schnell deutlich, welche immensen Einsparpotenziale in den Unternehmen liegen. Der langjährige Personalchef in einem internationalen Konzern weiß aus seiner Erfahrung auch als Trainer und Berater von Unternehmen und Verbänden, dass nicht selten bis zu 20 Fehltage im Jahr die Praxis sind. Seine Analysen sind schonungslos und werden durch den aktuellen AOK-Report untermauert: Der Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit bei der Arbeit und der Gesundheit zeigt sich sowohl bei körperlichen als auch psychischen Beschwerden. Empfinden die Arbeitnehmer ihren Job als erfüllend und werden sie vom Chef wertgeschätzt, nehmen diese Beschwerden rapide ab. Das „Glücklich sein im Job“ ist also eine Managementaufgabe, der sich die Firmen zunehmend stellen müssen. Der Blick in den Fehlzeiten-Report mahnt zur Eile: Zwischen 2007 und 2017 sind die Krankschreibungen wegen psychischer Probleme um 67,5 Prozent gestiegen. Bei klassischen Verletzungen hingegen gingen sie im selben Zeitraum um 10,5 Prozent zurück. Warum das so ist, weiß Heining: „In die Arbeitssicherheit wurde ganz einfach investiert“

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